Lexikon von Saintliex: Place de l'Érection

Vor einer Weile habe ich den Versuch unternommen,. eine Geschichte zu erzählen in jenem Ort, in dem auch meine erste Hörspielserie spielte - dem Dorf Saintlieux am Rade de Brest, etwas schräg gegenüber der seit dem 3. Jahrhundert nach Christus bestehenden Hafenstadt Brest.

Es sollte eine Adventserzählung werden, ein Krimi, eine geheimnisvolle, vielleicht auch etwas magische Geschichte, mit Figuren, die man aus der Hörspielserie kannte, und mit vielen anderen. An jedem Tag würde ein Bewohner des Örtchens ein Päckchen oder einen Brief finden, der etwas aus der Vergangenheit aufwecken würde. Eines davon sollte einen Mörder an seine Tat erinnern. Und die alte Ermittlergruppe - Amélie, Marc Valet, Remy Bass und Pierre Hulot -  auf seine Spur setzen. Zwei Kapitel hatte ich geschrieben, dann aber aufgehört. Doch bis heute statten mir die Figuren aus den nie geschriebenen Kapiteln bisweilen Besuche ab.

Ich hatte damals begonnen, auch ein Lexikon von Saintlieux zu erstellen, in dem ich Orte und Personen notierte, die das Städtchen ausmachten - denn es gibt sie gar nicht wirklich, sie ist Erfindung. Und damit mein heiliger Ort, mein Reih, in dem ich Straßen, Häuser, ihre Bewohner und Geschichten ganz alleine entscheiden konnte.

Die Geschichte war auch der erste (unterlassene) Anlass, dieses Blog zu starten - in der Bretagne sind Menhire an der Tagesordnung, große Steine, die in der Landschaft von den  keltischen Ureinwohnern jenes Landstrichs hinterlassen wurden. Dadurch kam ich erstmals auf die Idee, das Blog 1 Haufen Steine zu taufen. Und es als Schreibtagebuch für diese Geschichte zu betreiben. Was dann nichts wurde, weil die Geschichte sich schon im zweiten Kapitel verfing. 

Ein Eintrag in diesem Lexikon, den ich heute gefunden habe, dreht sich ebenfalls um diese Steine, die die Menschen der Bretagne als Peulvan bezeichnen.

Er lautet:

Place de Peulvan, Platz in →Saintlieux zwischen der 33 und 35 →Rue de Port. Peulvan ist die bretonische Bezeichnung für Menhir oder Hinkelstein. 

Der Namensgeber des an der Hauptstraße liegenden Platzes ist etwa 220 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von ca. 40 Zentimetern. Wenn die Jugendlichen im Dorf sich am Platz verabreden, treffen sie sich „an der Erektion“. Da die Jugendlichen dies bereits seit Jahrzehnten tun, hat sich der Zweitname in den Sprachschatz der Gemeinde eingebürgert: Place de l'Érection.

Den Stein selbst stört das nicht. Er stand lange vor dem Bau der ersten Gebäude von Saintlieux an Ort und Stelle. Der Platz selbst ist quadratisch mit einer Seitenlänge von etwa sechs Metern und wird zu den Seiten hin von Wohngebäuden eingefasst. An der Kopfseite schließt eine zwei Meter vierzig hohe Natursteinmauer den Platz ab, vor der zwei Holzbänke stehen. Eine niedrige Holztüre ist in die Mauer eingelassen, dahinter wachsen die Obstbäume von →Jean-Paul Even, der dort auch eine Bienenzucht unterhält.


In einem Zimmer im Cadeau de la Mer, dem Gasthof und Hotel des Örtchens, habe ich noch einen Koffer liegen. Wer weiß, vielleicht fahre ich dort irgendwann noch einmal vorbei.

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